Gute Pflege nicht in Noten messen!

Veröffentlicht am 29.09.2015 in Presse im Wahlkreis

Auf Einladung des Mannheimer Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Fulst-Blei informierten und diskutierten Sozialministerin Katrin Altpeter MdL, Stadträtin Marianne Bade und Angelika Weinkötz, Vorständin des AWO Kreisverband Mannheim, zum Thema „Gute Pflege heute“, im Bürgerhaus Gartenstadt.

Während das alte Heimgesetz nur die Alternativen „Pflegeheim“ oder „Häuslichkeit“ kannte, schafft das Gesetz für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und Pflege (WTPG) einen rechtlichen Rahmen für neue Wohn-,Pflege- und Versorgungsformen durch ambulant betreute Wohngemeinschaften. Hierdurch werden neue, kleinteilige Wohn- und Pflegestrukturen vor Ort in den Stadtteilen und Quartieren und damit in der gewohnten Umgebung der Menschen ermöglicht.

 

Was ist gute Pflege? In Baden-Württemberg, so Ministerin Altpeter, werden noch zwei Drittel der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Meist von Töchtern oder Schwiegertöchtern. Der Wunsch der Meisten ist es, so lang wie möglich zu Hause zu bleiben und so selbstbestimmt wie möglich zu leben. Vom Noten-TÜV der Bundesregierung hält sie nichts. „Ich finde, gute Pflege lässt sich nicht in Noten messen! Gute Pflege hat im Wesentlichen mit gutem Personal und menschlicher Fürsorge zu tun“, so Altpeter die selbst lange als Altenpflegerin arbeitete. Das kollidiere indes mit dem in Deutschland immer noch vorhandenen Bild vom Pflegeberuf. Als Reaktion auf den Wunsch, „ich lerne einen Pflegeberuf“, sei dann entweder zu hören, „wenn du das kannst“ oder, so Altpeter, „noch schlimmer“ ein „da hat’s wohl zu nichts anderem gelangt“.

 

Stadträtin Marianne Bade, die selbst im Pflegeberuf tätig ist, konnte hier nur zustimmen:  „Der Bürokratieaufwand ist groß geworden, man muss mehr Zeit für die Pflege gewinnen. Wie Pflege bewertet wird ist eine Mund-zu-Mund-Propaganda.“  Für Marianne Bade wäre es wünschenswert, Arbeitsverhältnisse in der Pflege für Menschen die in Ihrem Land keine Perspektive haben, zu legalisieren, da ein großer Bedarf an Pflegekräften bestehe.

 

Angelika Weinkötz betonte, dass Pflege individuell sein müsse und die stationäre Pflege auch darum nicht abgeschrieben werden dürfte. Quartiersbezogene Konzepte können dabei helfen den Lebensort Seniorenheim aufzuwerten. Insgesamt müsse man bei allen Angeboten den finanziellen Rahmen mitdenken.

 

Stefan Fulst-Blei: „ Es ist wichtig, dass der Pflegeberuf besser wahrgenommen und anerkannt wird. Und diese Anerkennung der Pflege hat nicht zuletzt mit der Bezahlung zu tun.  Das WTPG ist ein Zeichen für Selbstbestimmung und Teilhabe für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf und für Menschen mit Behinderung“.

 

 

 

 

 

       

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